Imbolc – Lichtmess

Quelle: www.jahreskreis.info

lichtmessIn der Nacht vom 1. Februar auf den 2. Februar wird LICHTMESS gefeiert, das keltische IMBOLC oder auch das Fest der BRIGID.

Obgleich die Natur noch in winterlicher Starre verharrt, werden die Tage schon merklich länger, und unmerklich steigt bereits der Saft in die Bäume. Die Sonne geht jeden Tag ein bißchen früher auf und kommt schon wieder über manche Berggipfel. Auch abends ist es ist es länger hell.

Die Lichtjungfrau BRIGID

In diesem neuen Licht erscheint die Göttin als die schöne Lichtjungfrau Brigid – „die vom Strahlenkranz umgebene“ – und löst damit die dunkle, schwarze Göttin ab, die als Percht, Cerridwen oder auch Morrigane den Winter beherrschte.
Mit ihr steigen die Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde, allen voran der Bär! Der Dickpelz, noch recht steif und schlaftrunken, steckt an diesem Tag, angeblich zum ersten Mal, seine Nase aus der Höhle, um zu sehen, wie weit der Frühling schon gediehen ist.
Der Bär ist kein anderer als der wiedegeborene, noch verhüllte jugendliche Sonnengott.
Noch ist er wild, „Berserkerhaft“.

Der Sinn der Jahreskreisfeste

Jedes Fest hat seinen eigenen Geist, läßt in uns ganz bestimmte Seelseiten anklingen. Und das wichtigste ist, diese Seelenseiten mitschwingen und mitklingen zu lassen, uns erreichen und berühren zu lassen. Sich zu erinnern, tief zu erinnern. Dann kann Heilung stattfinden, Lösung und Erlösung! Um das geht es eigentlich bei allen diesen Festen, in allen großen Mythen, die ERLÖSUNG. Jedes dieser Jahreskreisfeste ist verbunden mit diesen Mythen, mit Helden, Göttern und Göttinnen. Und durch die Identifikation und Verschmelzung mit diesen Wesen entsteht Heilung und Erlösung. Sie leben es uns vor. Wichtig dabei ist, dass wir diese Feste in unser Leben holen und mit unserem Leben verbinden. Keine aufgesetzten Rituale! Ganz einfach auf das achten, was wir erleben und wahrnehmen. Und wenn es ein Sonnenstrahl ist.

Imbolc und die Kraft der Lebendigkeit

Imbolc ist ein Fest, wo wir uns erinnern sollen an das noch ganz Ungebrochen, das durch und durch Lebendige, die wilde Energie des Frühlings, die es schafft, alles wieder zum Leben zu erwecken. Sich erinnern, wie es sich anfühlt, Kind oder Jugendlicher zu sein. Alleine Kinder anzuschauen, wie sie vor Lebenigkeit sprühen, lebendig bis zum Anschlag, ist Heilung. Oder Jugendliche, deren Erotik aufkeimt, wo das ganze Lebensgefühl noch durchdrungen ist von erotischen Gefühlen, Verliebtheiten. Das alles gehört zu diesem Fest und soll unsere Verkrustungen aufsprengen wie ein wilder Föhnsturm. Man muß sich ja nur vorstellen, wieviel Energie es braucht, dass unserer Bäume wieder zum sprießen anfangen, oder die Blumen durch die Schneedecke durchbrechen. Wieviel Lebenswillen, wieviel Lust!

Schneeweißchen und Rosenrot

schneeweisschJeder von uns kennt noch das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“. Unter seinem Pelz verborgen leuchtet Gold und steckt ein junger Prinz – der junge Sonnenkönig.
Und die beiden Mädchen „Schneeweißchen“ und „Rosenrot“ verkörpern, wie ihr symbolträchtiger Name schon besagt, die junge Göttin Brigid.
Ja und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährt hatte, ist niemand anderes als die alte Erdmutter, die Frau Holle oder auch Frau Percht.
Wieder einmal sieht man, was wir für wunderbare Märchen haben, die auf ganz versteckte Weise das alte Kulturgut weitergetragen haben.

Die Weiße Göttin und das Jahresrad

Der Herrschaftsantritt der Weißen Göttin und des Götterbärs war das Ende der Weihnachtszeit.
Ihre Herrschaft dauerte bis Mai.
Man muß auch noch wissen, daß das Jahresrad vom 25.11. dem Katharinentag bis Lichtmeß angehalten wurde.
Es gibt noch heut den Spruch: „Kathrein stellt das Tanzen ein“.
Das Jahresrad – im höchsten Norden auch das Sonnenrad – stand in dieser Zeit still, und damit hatte auch die Tanzdrehung zu unterbleiben.
Um so weniger verwunderlich ist es dann, daß ab Lichtmeß besonders gerne getanzt und gefeiert wurde.

Wachrütteln von Bäumen und Pflanzen

Wer hellsichtig genug war, konnte Brigid auf einem Hirsch reiten sehen, wie sie die Samen weckte und die Bäume wachrüttelte, so daß die Säfte wieder zu fließen begannen.
Sie verkörpert die Kräfte des Ostens und des neuen Morgens.

BRIGID und Maria Lichtmeß

Die Kelten begrüßten Brigid mit einem Feuerfest und befragten das Orakel.
Auch Probe-Ehen für ein Jahr wurden an diesem Tag geschlossen.
So beliebt war die holde, die Dichter, Heiler und Zauberer gleichermaßen inspiriert, daß selbst die Christen nicht auf ihr Fest verzichten mochten. Sie tauften das Imbolc-Fest in Maria Lichtmeß um.
Der Name „Imbolc“ bedeutet übrigens „Anlegen der Schafe zum Säugen“, weil es die Zeit war, wo die ersten Schafe geboren wurden.

BRIGID und das Feuer

Brigid, die Hüterin des Feuers, bewachte an diesem Tag, oder besser in dieser Nacht, das heilige Feuer selbst, während es sonst von 19 Priesterinnen gehütet wurde.
Wieso gerade von 19?
Weil in 19 Jahren eine Sarosperiode (ein großer Mondumlauf-Zyklus) abgeschlossen ist und Sonne und Mond wieder in selber Relation zueinander stehen.
Es war ein kosmisch ausgerichtetes Fest, das den Stand der Sonne und des Mondes beachtete.
Offenbar war für jedes Jahr eine eigene Priesterin eingesetzt.
Interessanterweise haben viele Steinkreise in England und Irland genau 19 Steine.

Die Verbindung der Göttin Brigid mit dem Feuer geht aus ihrem Sonne-Charakter hervor. Lichtsäulen und Flammen begleiten sie, als sie „zwischen den Welten“ weder „im Haus noch außer Haus“, sondern auf der Türschwelle ins Leben trat. Und diese Flammen begleiten sie weiter. Als Kleinkind schlief sie in einem Feuermeer…
Ihr Attribut, Brigids feuriger Pfeil, war sprichwörtlich: der heiß ersehnte erste Frühlings-Sonnenstrahl, der die Erde wärmend traf.
Es ist aber auch übertragen zu sehen: der Feuerpfeil, der ins Herz trifft. Das Entfachen der ersten Frühlingsgefühle, der Liebe, der Erotik….

Es muß daher beim Festverlauf auf jedenfall die Wiederkehr der Sonne begrüßt worden sein und symbolisch durch das Entfachen eines Feuers gefeiert worden sein.
Denn IMBOLC war mit der heiligen Flamme verbunden, die die Sonne aus dem Winterschlaf erweckte.

Ein weiteres Attribut war die Schlüsselblume, eine der ersten Frühlingsblumen.

Namensverwandtschaften mit BRIGID

Nach ihr wurden Flüsse und Städte benannt: Bregenz, Brigantia, Braganca in Italien, Brig in Wallis, die Ebene Brega in Irland.

Altes Lichtmeß-Brauchtum

Das Neuentfachen des jungen Lichtes und die Lichtweihe am Lichtmeßtag ist in ganz Europa noch im Brauchtum verankert.
Die katholische Kirche hat daraus in der Kirche die Kerzenweihe gemacht als kleines Überbleibsel des geweihten jungfräulichen Lichtes. Da paßt dann natürlich auch der neue Name „Maria Lichtmeß“.

In der Steiermark z.B. trägt man dann das geweihte Lichtmeßfeuer von Haus zu Haus und entzündet noch die Herdfeuer damit, oder eine Kerze am Hausaltar.
Es ist Brauch, die brennenden Kerzen durch das ganze Haus und die Ställe zu tragen, um den Segen überall weiterzugeben.

In Kärnten tropft man drei Tropfen Wachs auf ein Brot als Schutz für ein Jahr. Das Brot wird dann aufgehoben.

Schön ist auch ein Lagerfeuer, dass von Feuerpfeilen entzündet wird. Das ist immer sehr spannend, da man nie genau weiß, ob und wie man trifft.

Fakelumzüge in der Nacht sind auch toll, weil man sinnbildlich das Licht in die Dunkelheit bringt.

Und wenn man einen Fluß oder See in der Nähe hat, kann man z.B. Lichterschiffchen aufs Wasser setzten. Kleine Brettchen mit Schwimmkerzen, die den Fluß hinunterfahren und das Licht durch die Nacht tragen.

Storl schreibt:

„Noch immer gibt es alte Bauern, die am Lichtmeßtag ihre Obstbäume wachrütteln und den Bienen im Stock die frohe Botschaft verkünden. Vielerorts soll das Dreschen und Spinnen an diesem Tag beendet sein, denn nun kommt der Erbsen- oder Kornbär, der, wie wir gesehen haben, die neue Fruchtbarkeit bringt.

Auch gilt der Tag noch immer als Lostag. Es wird orakelt, wer heiratet, wer sterben muß und wie die Ernte ausfallen wird. Um zu erfahren, wie lange der Winter noch anhalten wird, wendet man sich an jene Tiere, die in Erdhöhlen ihren Winterschlaf halten. Vom Dachs und vom Fuchs ist da die Rede, aber sie dienen nur als Ersatz für den Bären.

Ist es zu Lichtmeß schön und warm, muß der Bär noch sechs Wochen in seiner Höhle bleiben, heißt es vielerorts. Sieht der Bär am Lichtmeßtag seinen Schatten, muß er noch vierzig Tage in die Höhle, lautet die Regel in England und Frankreich.
Sechs Wochen oder vierzig Tage dauert es bis zur Frühjahrstagundnachtgleiche. Dann hat der Petz seinen Winterschlaf endgültig abgeschüttelt, und der Bann des Winters ist gebrochen.

Der Bär, der die Fruchtbarkeit bringt, und die Bienen, aus deren Waben goldgelbe Kerzen gemacht werden, sind die Lieblingstiere der weißen Brigid. Als Gegensätze gehören sie auch zusammen: der massige, geile, faule Petz und die winzigen, keuschen, fleißigen Immen.
Vor allem wegen des Honigs, den sie aus den Blüten saugen, ohne diese zu zerstören, achtete und verehrte man die Bienen. Für die alten Europäer war der Honig, der erst im 17. Jahrhundert durch den Rohrzucker ersetzt wurde, der einzige Süßstoff.
Er war so heilig, daß er als Opfergabe für die Götter und Ahnen verwendet wurde, und nur in den Weihenächten des Mittwinters durften Hoigkuchen als segensspendende Kultspeise gegessen werden. Die Indogermanen sahen im Honig ein Überbleibsel eines fernen, goldenen Zeitalters, den Tau, der vom Weltenbaum herabtropft.
Wahrlich eine königliche Speise, für den Auserwählten der Weißen Göttin, den honigschleckenden König der Tiere, ebenso geeignet wie für den König der Menschen.
Der trank mit seinen Edlen den aus Honig gebrauten Met, während Bauern, Knechte und Gesinde sich mit Gerstenbier zu begnügen hatten.“

Valentin und Fasnacht

Da die Herrschaft dieser weißen Göttin bis in den Mai dauerte – ihr Höhepunkt ist ja erst zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche – fällt in diesen Zeitraum auch „Valentin“ und „Fasnacht“ oder Fasching.
Das kann man leicht verstehen.
Die Göttin, die alle Gewässer in Bewegung versetzt, das Eis zum Schmelzen bringt, die Säfte in den Bäumen anregt und die Pflanzen wieder zum Sprießen bringt, die bewegt natürlich auch die Lebenssäfte im Menschen.
Sie inspirierte nicht nur die Dichter und Sänger, sondern sie regte auch den hormonellen Rausch der Verliebten an.
Und wie die Verliebten so sind, immer etwas verrückt, närrisch, leicht bis leichtsinnig – so ist auch diese Zeit.
Dazu paßt eben auch Fasnacht oder die Fastnachtzeit.
Von der Kirche noch nie gerne gesehe und als „unflätige Feste“ sogar strengstens verboten 762.
Es hielt sich nur nie einer daran.
Deshalb wurde aus diesen spätwinterlichen ausgelassenen und natürlich immer erotisch-exzessiven Festen die „Fastenzeit“.
Doch die Wortnähe hat gar nichts miteinander zu tun.
Fas-Nacht hat nichts mit Fasten zu tun und Fastnacht als Fasten.
Im Gegenteil!
Das Wort kam von dem Brauch des „FASELNS“.
Es ist ein mittelhochdeutsches Wort: „vaselen“ = fruchten, gedeihen.
Und dieser Brauch des Faselns war eine – wie könnte es auch anders sein -AUSCHWEIFENDE FRUCHTBARKEITSORGIE!
Eine Berührung mit dem schöpferischen Chaos.
Es gab viel lärmendes Treiben, Umzüge, Fressen, Saufen…
Auch hier wieder der lärmende Umzug, um die Felder und Pflanzen aufzuwecken.
Und dann natürlich die Maskenumzüge, um die alten Dämonen, Krankheiten und sonstige Unholde zu vertreiben.
Vieles davon hat sich bis heute gehalten.

Setzung des Lichtmeß-Pfahles „Coloman“

coloman_1_01Noch etwas wurde an Lichtmeß gemacht, was heute kaum noch bekannt ist.
Die Setzung des Zeitpfahles, Lichtmeß-Pfahles oder auch „Tin-Pales“.
Jedes Dorf wünsche sich seinen eigenen Zeitmesser, sowie heute die Kirchturmuhr für alle sichtbar angebracht ist.
Im früheren germanischen Bereich wurden in den Ortschaften hohe Stangen aufgestellt, deren Spitze von der aufgehenden Sonne berührt wurde.
Das altehochdeutsche Wort „SUL“ wurde sowohl für Sonne als auch für Säule verwendet.
Das Datum für diese Setzung solch eines Zeitpfahles oder auch Sonnen-Säule, der eben auch Lichtmeß-Pfahl genannt wurde, war bei den Germanen der 1. Februar, an dem wir jetzt Maria-Lichtmeß feiern.

Dieser Pfahl war vor allem dann notwendig, wenn es keine besonderen Bergspitzen gab, die als Kalender oder Zeitmesser genutzt werden konnten.
Bei den Germanen hieß dieser Zeiger „Tin-Pal“ (evtl. vom Wort „Timber“ = Holz abgeleitet, wo auch das englische Wort Tinpal-Man für Zimmermann herkommt).
Bei den Kelten nennt man ihn „Colman“ ( Coloman-Kirchen). Im Allgäu, nahe Schloß Neuschwanstein, steht eine Coloman-Kirche auf freiem Feld. Und das auffälligste Merkmal, weswegen sie auch immer fotografiert wird, ist der besonders hohe, weiße und überschlanke Kirchturm, auf dessen goldener Spitze sich immer die Sonne spiegelt. Wie ein Riesenzeiger.

Bei dieser Colomankirche gibt es noch weitere Auffälligkeiten. Der Berg dahinter, der der höchste und auffälligste ist, heißt „Säuling“, abgeleitet von der Silbe SUL für Sonne und Säule.
Und dazwischen liegt das Märchenschloß „Neuschwanstein“ von König Ludwig II., das so beliebt ist, daß es für alle Mächenschlösser Vorbild ist bis Disney-Land.
Dieses Schloß ist ebenfalls weiß wie die Colomankirche und hat einen ebenso auffälligen, gertenschlanken und besonders hohen Turm, der weit in den Himmel aufragt.
Drei interessante Verbindungen!
Und König Ludwig ist dafür bekannt, daß er seine gesamten Schlösser nur an besondere Kraftorte gebaut hat.

Bei beiden, Kelten und Germanen, wurder der Pfahl am 13.Oktober, am Koloman-Tag, der 40 Wochen nach Heilig-Drei-König ist, wieder entfernt.
Die Setzung an Lichtmeß ist der Beginn des Bauernjahres, das sogenannte Bauern-Neujahr.
Und die Entfernung am 13.10. ist das Ende des Bauernjahres. Die Arbeit ist getan. Das Licht verschwindet und ist erst wieder an Lichtmeß meßbar.
Im Volksbrauchtum erscheint am 13.10. im „Mandelkalender“ der heilige Coloman unter dem Galgen.
In England ist da sein Leichnam dargestellt.
Der Jahresgott wird gehängt!