Wann bin ich endlich bei mir zuhause? oder Die Dunkle Nacht der Seele

am 6. Oktober 2013 von Océane

sich-selbst-lieben-lernen

Wenn ich so um mich blicke und mich mit den Menschen austausche, sehe ich so viele leuchtende Seelen, die gerade in diesem Jahr durch große Krisen gehen und gewaltige Metamorphosen durchlaufen. Ganze Lebenspläne werden über den Haufen geworfen, Sinnkrisen, Burnouts & Depressionen greifen um sich… Manchmal bleibt kein Stein auf dem anderen. Es hieß immer, 2012 wäre das Jahr der Transformation gewesen. Doch das war anscheindend nur der Beginn… Für mein Empfinden ist 2013 das weitaus transformierendere Jahr. Allen, denen es ähnlich geht, möchte ich hiermit einen kleinen Zuspruch zukommen lassen: Ohren steif halten, Kragen hochschlagen und weiter geduldig einen Schritt vor den anderen setzen… 🙂

Gerade im Laufe der spirituellen Entwicklung geraten viele von uns in etwas, das die Mystiker als „die dunkle Nacht der Seele“ beschrieben haben. Ein Zustand der völligen Verzweiflung und scheinbaren Abgetrenntheit – der oft gerade dann eintritt, nachdem man eigentlich schon ein gutes Stück des „Anstiegs“ hinter sich gebracht zu haben meinte. Dies sind Zeiten, in denen tatsächlich das Unterste zu oberst gekehrt wird, und man sollte sich wohl zu keinem Augenblick zu „sicher“ wähnen…

In vielen der Artikel auf WirSindEins geht es um unseren „Wert“, um Souveränität und die Entdeckung der wahren Selbstliebe. Gleichzeitig sind wir aufgefordert, im öffentlichen Leben hervorzutreten und unsere uns von Natur aus innewohnenden Rechte zurückzunehmen und durchzusetzen. Was ohne die wirkliche Verinnerlichung und Konsolidierung von Wert, Souveränität und Selbstliebe aber gar nicht funktionieren kann. Es wäre das sprichwörtliche falsch herum aufgezäumte Pferd.

Sollen die Menschen fähig sein, im Kollektiv die alten Systeme von Abhängigkeit und Unterdrückung abzuwerfen und zu ihrer Souveränität zurückzukehren, wird sich dies zunächst auf der darunter liegenden Ebene manifestieren müssen: in den Beziehungen und Partnerschaften. Sind wir tatsächlich schon souveräne Wesen, die ihre Partner, Kinder etc. nicht mehr zum Ausfüllen der eigenen inneren Leere benützen? Bestehen unsere Partnerschaften nicht mehr nur aus „zwei Hälften“, sondern aus zwei in sich selbst zuhause seienden Wesen, die die Verantwortung für ihr Wohl nicht mehr auf den Partner projizieren? Die zusammen sind, um sich aneinander zu erfreuen, und nicht, weil sie einander zu „brauchen“ meinen?

Wir werden von Anfang an zu Konsumenten erzogen, und der Übergang vom abhängigen Kind zum souveränen Erwachsenen findet praktisch nicht statt. Nirgendwo und zu keinem Zeitpunkt wird uns tatsächlich beigebracht, was wir zu tun haben, um uns selbst glücklich zu machen und in unserem Wohlbefinden NICHT in irgendeiner Weise von einer äußeren Quelle abhängig zu sein. Unsere Eltern konnten es uns nicht beibringen, weil sie selber nicht anders erzogen wurden, und in Kindergarten und Schule beginnt bereits das Konsumenten-, Konkurrenz- und Vergleichstraining. Religion und Kirche tun, wie wir wissen, auch alles andere, als uns darüber aufzuklären, wie wertvoll und grenzenlos wir in unserem Sein sind und dass es keinen Grund gibt, nicht mit uns selbst völlig im Einklang zu sein. Und das Wichtigste: Keiner lehrt uns, dass ich keine dauerhaft erfüllenden Beziehungen erleben kann, solange ich mir selbst nicht genug und richtig bei mir zuhause bin. Und eigentlich gar keinen anderen „brauche“. 😉

Und was bringt dieser Mangel hervor? Menschen, die innerlich lebenslang auf der Suche nach „der besseren Hälfte“, der ultimativen Erfüllung und dem „großen Glück“ sind – das ausnahmslos außerhalb ihrer selbst zu finden ist… Und auf dieser Suche im schlimmsten Fall irgendwann gnadenlos einbrechen.

Ich bin dafür, in der Schule das Unterrichtsfach „Selbstliebe – wie ich es mache, dass es mir gutgeht“ einzuführen. In den höheren Klassen dann „Selbstliebe – ich bin ein Ganzes, und du bist es auch“, und schließlich die wunderbare und so abgrundtief missverstandene Sexualität in ihrer ursprünglich gemeinten Form zu lehren: Als Ausdruck von Harmonie und Freude zweier souveräner Wesen – und eben NICHT zur Triebbefriedigung gedacht, über die ein kurzzeitiges Wohlbefinden erzeugt wird, durch welches sich die Illusion von Ungeborgenheit übertünchen lässt.

Ich möchte als Ergänzung gerne einige Zitate von OSHO anführen, der in seiner direkten und simplen Art auch über diese Themen gesprochen (über welche Themen hat er eigentlich nicht gesprochen??) und uns für mein Empfinden sehr wertvolle Meditationsgrundlagen hinterlassen hat.

Von ganzem Herzen,
Océane

„Nicht nur du hast Angst, alle haben Angst. Denn niemand ist das, wofür die Existenz ihn vorgesehen hat. Gesellschaft, Kultur, Religion, Erziehung – alles ist eine Verschwörung gegen unschuldige Kinder. Sie haben alle Macht – das Kind ist hilflos und abhängig. Sie schaffen es, aus dem Kind das zu machen, was auch immer sie wollen. Sie lassen kein Kind so aufwachsen, wie es ihm von Natur aus bestimmt ist. Sie bemühen sich mit allen Mitteln, Menschen zu Gebrauchsgegenständen [und zu Konsumenten] zu machen.“

„Wenn man ein Kind natürlich aufwachsen lässt, wer weiß, ob es dann noch den Interessen der Gesellschaft dient oder nicht? Die Gesellschaft ist nicht bereit, dieses Risiko einzugehen. Sie reißt sich das Kind unter den Nagel und beginnt es so zu prägen, wie es von der Gesellschaft gebraucht wird. In gewissem Sinne tötet sie die Seele des Kindes und gibt ihm eine falsche Identität, damit es seine Seele, sein Sein nicht vermisst. Die falsche Identität ist ein Ersatz. Aber dieser Ersatz ist nur in der Umgebung nützlich, die dir den Ersatz gegeben hat. Sobald du allein bist, beginnt das Falsche auseinander zu fallen, und das unterdrückte wahre Selbst kommt zum Vorschein. Deshalb hat man so viel Angst, einsam zu sein.“

„Alle Ängste können auf eine reduziert werden: die Angst vor dem Tod.“ [Ich nenne es: die Angst vor dem Abgetrenntsein von Gott; was dem „Tod“ gleichzustellen ist.]

„Aus Angst vor dem Tod suchen wir Sicherheit – ein Bankkonto, eine Versicherung, eine Ehe, ein geregeltes Leben, ein Heim; wir gehören zu einem bestimmten Land, wir treten in eine politische Partei ein, wir gehören einer religiösen Gemeinschaft an, werden Hindus, Christen, Muslime. Es sind alles Maßnahmen, damit wir uns sicher fühlen. Es sind alles Maßnahmen, damit wir einen Platz finden, wo wir hingehören – ein Land, eine Kirche. Wegen dieser Angst können uns Politiker und Priester weiter ausbeuten. Wenn du keine Angst mehr hast, kann dich kein Politiker, kein Priester ausbeuten. Es liegt nur an der Angst, dass er dich ausnutzen kann, weil er etwas bieten kann, das dir Sicherheit gibt. … Das Versprechen wird nie eingelöst – das steht auf einem anderen Blatt, aber versprochen wird es. Und mit diesem Versprechen werden Menschen ausgebeutet, unterdrückt. Mit diesem Versprechen werden Menschen versklavt.“

„Du hast geglaubt, du seist jemand, und in einem Moment der Einsamkeit spürst du plötzlich, dass du das gar nicht bist. Das macht Angst. Wer bist du dann? … Es wird eine Weile dauern, bis das wahre Selbst zum Ausdruck kommt. Das Loch dazwischen nannten die Mystiker „die dunkle Nacht der Seele“ – ein sehr passender Ausdruck. Du bist nicht mehr der Falsche, und du bist noch nicht der Wahre. Du hängst in der Luft, du weißt nicht, wer du bist. Besonders im Westen ist das Problem noch komplizierter, da man nie Methoden entwickelt hat, das wahre Selbst so früh wie möglich zu entdecken und so die dunkle Nacht der Seele zu verkürzen.
Der Westen hat keine Ahnung von Meditation. Und Meditation ist nur ein anderer Name für Alleinsein, still sein, warten, dass sich das Wahre offenbart. Sie ist keine Tätigkeit; sie ist stille Entspannung. Denn alles, was du tust, kommt aus deiner falschen Persönlichkeit.“

(Quelle: OSHO – Emotionen, Frei von Angst, Eifersucht, Wut)