Kollision – 3 D Gehirn trifft “Intelligenzbestien”

am 03.12.2013 auf The Information Space
geschrieben von Steven Black

handyklassenzimmer

Eine frei erfundene Geschichte ..

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch öffnete Professor Conrad die Türe einer Klasse, wovon ihm nur zu gut bewusst war, dass die Mehrheit seiner Kollegen sie nur betreten würde, wenn die Hölle zugefroren ist. Diese jungen Menschen waren allesamt hochbegabte Ausnahmeschüler, denen im Grunde keiner mehr viel beibringen konnte. Es war den Gesetzen geschuldet, dass sie dennoch die erforderlichen Jahre im Schulsystem zu absolvieren hatten.

Dies war sein erster Auftritt vor den Schülern, den er mit einem etwas – wie er dachte – verzwicktem Thema zu eröffnen gedachte.

“Guten Morgen Klasse”.

“Morgen Professor!”

“Professor Conrad bitte, wenn’s leicht geht.”

“Morgen Conrad!”

Die machen mich ja jetzt schon fertig… dachte Professor Conrad entnervt. Also gut, immer schön entspannt bleiben, das sind bloß einige 14 jährige Gymnasiasten. Er atmete innerlich durch und langsam durch den Mund aus.

“Ich weiß, dass unter euch einige Esoterikbegeisterte sind, daher möchte ich den heutigen Unterricht etwas anders gestalten und ein Thema anschneiden, dass ansonsten wenig Zuhörer hat. Die grundsätzliche Uneinigkeit zwischen den Verfechtern von Lehrmeinungen von verschiedenen Wissenschaften, wie der Psychologie, der Philosophie, der Neurologischen Wissenschaft, oder den Pionieren und Erforschern der künstlichen Intelligenz, die den menschlichen kognitiven Verstand entweder bedeutend, oder eher gering einschätzen, hat ein bislang ungekanntes Spektrum an Unsicherheit innerhalb der akademischen Welt entfacht.

Und da mir bekannt ist, vor einer selten versammelten Gruppe von “Intelligenzbestien” zu stehen, gedenke ich heute die Dinge auf den Kopf zu stellen. Nicht ich werde euch etwas lehren, heute wird es eure Aufgabe sein, mir Ansichten und Einsichten näher zu bringen – kurzum, unterrichtet mich, was  ihr zu dem Thema “das mentale Gehirn und seine Grenzen” zu sagen habt.”

Stille waberte durch den Raum, die Schüler blickten einander mit der unausgesprochenen Frage, “hat er das grade wirklich gesagt” an, blinzelten irritiert und wandten Professor Conrad wieder die Blicke zu.

“Gut, ich sehe, ich besitze ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, ich wette, das ist eine große Neuigkeit für viele Lehrer dieses Gymnasiums.”

Heiteres Gelächter brandete ihm entgegen und brach den Bann des Schweigens. Den Vorteil nutzend fuhr er fort:

“Sehr viele Leute haben in den letzten Jahren diverses über Channelings, Multidimensionalität, Schöpferanteile und andere, angeblich mögliche Attribute des Menschen gelesen. Erstaunliches und sich auch widersprechendes, verwirrendes und manches, was durchaus Ängste weckt. Wie gehen also Menschen wie ihr mit der Problematik um, dass man zwar ein mentales und neurologisch verankertes Denksystem besitzt, welches im Grunde nicht nachzuvollziehen scheint, woher all diese – durchaus interessanten – Informationen kommen sollen. Wie kann der Verstand Glauben, was da alles behauptet wird? Auf welche Weise verarbeitet ihr dies?”

Ein hagerer Junge mit pickelgesäumter Stirn signalisierte sprechen zu wollen. “Ja? Du möchtest etwas sagen”?

“Sehen Sie Professor, so schwierig ist das alles gar nicht.  Die meisten von uns sind sich grundsätzlich bewusst, dass es eine Menge Unsinn unter diesen Informationen gibt. Daher werden sie unter diesen Schülern kaum jemanden finden, der solches Zeug noch liest. Aber relativ glaubwürdige Mitteilungen darüber versuchen, höhere Wahrheiten auf ein lineares Konzept herunterzuschrauben, weil das menschliche Gehirn nun mal nichts anderes einordnen und verstehen kann.  Auf vielerlei Weise ähneln diese Informationen “Geschichten”, welche eine Art von Metaphern darstellen, womit das linear denkende 3 D Gehirn zumindest einigermaßen zurechtkommt.

Wen diese Mitteilungen ansprechen, der wird sich sagen – “okay, vielleicht sollte ich das Ganze etwas mehr ergründen”. aber oft wird diese Aufforderung an sich selbst schnell vergessen. Manchmal wird diese innere Aufforderung gleichgesetzt mit – “hab ich ja schon ergründet.” Und es gibt natürlich viele Menschen, welche diese “Geschichten” einfach nur konsumieren wollen – aber das ist deren Sache.

Nur wenige tun das auch wirklich, und denken darüber nach. Ich denke, ich spreche auch im Namen der anwesenden Mitschüler, dass wir alle der Herausforderung ausgesetzt waren, zu verstehen, dass das was mit Verstand gemeint ist, eine viel größere Komplexität beinhaltet, als das Schulsystem drüber weiß, oder sagen will.  Dabei sind Geduld und Ausdauer vonnöten, denn diese “Dinge” zu verstehen ist ein tiefgreifender Prozess und kein “ad hoc Ereignis”.

“Und was genau ist es, was ihr da zu ergründen, zu verstehen habt? Ob es wahr ist, dass kanalisierte Eingaben von Engeln kommen, oder ob sie überhaupt wahr sind”?

Ein ernst dreinblickender Schüler erhob seine Stimme aus der mittleren Reihe und sagte:

“Was Winfried Ihnen grade versuchte zu erklären, hat mit der Fragestellung wenig zu tun. Es geht viel tiefer – um aufgeworfene Fragen, die direkt mit einem selbst zu tun haben. Wir schätzen ihren Mut, an diesem Tag die “Modalitäten” umzukehren, die Tradition zu verletzen und uns um Antworten zu fragen. Aber ich persönlich bezweifle etwas, ob sie verstehen können, was wir zu sagen haben. Dennoch werde ich mich diesem interessanten Experiment mit Eifer widmen.

Wissen sie, das sogenannte mentale, “normale 3 D Gehirn” kapiert nicht die vollständige Gesamtheit diverser Lehrmaterialien, es pickt sich immer heraus, was es für relevant hält, oder auch nicht. Und davon dreht und wendet es alle möglichen Aspekte, seziert sie geradezu, in immer noch kleinere Puzzleteile und interpretiert sie. In der Hoffnung, wenn alles fragmentiert ist, es zu einem Gesamtbild zusammenzufügen – welches ein mehr an Verstehen beinhaltet.

Leider wird auf diese Weise viel Kopfweh produziert, denn im Wesentlichen hat das “normale 3 D Gehirn” dadurch nur viele, sehr viele Einzelteile, einer bereits in der Gesamtheit befindlichen Idee herausgezupft, die Einzelteile bleiben und kein wirkliches verstehen bilden werden. Man kann dies mit Bildern vergleichen, beispielsweise hat ein Gemälde eine ganz bestimmte Farbkomposition. Zupft man sich jetzt einzelne Farben heraus, hat man vielleicht Rot, Blau, Gelb, Grün “in der Hand”, aber das Bild selbst erklärt sich dadurch kaum schlüssiger, oder? Und es sieht dann auch völlig anders aus, nicht wahr? Was ist mit dem Hintergrund, der proportionalen Struktur, das Ganze ist ja nicht einfach nur die Summe seiner Teile.

Versuchen Sie sich daran zu erinnern, Professor, sobald einige unserer Erklärungen sie konfus machen. Letztlich haben auch wir nur die Möglichkeit, über das Werkzeug von Analogien Metaphern zu reichen. Aber ich weiß, es wird schwierig sein, diese nicht zu bewerten, sondern als Gesamtkonzept stehen zu lassen. “

“Ach du meine Güte, was für ein Monster hab ich da nur freigelassen” fragte sich Professor Conrad. Er fühlte sich plötzlich furchtbar fehl am Platz, und so gar nicht als der kluge Kopf, für den man ihn allgemein hielt. Diese Teenager sprachen zu ihm als wäre er noch ein Kind, dem man Grundbegriffe beibringen müsste. Für den Professor eines Realgymnasiums mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften, war dies ein herber Schlag. Er bemerkte das nun eingetretene Schweigen, wurde sich seiner verblüfften Miene bewusst und riss sich nach einem innerlichen Seufzer wieder zusammen. “Höchste Zeit, wieder etwas Leben in die Meute zu bringen”, dachte er.

“Ähem, in Ordnung, ich danke dir, für diese entwaffnende Offenheit. Ich möchte euch allen außerdem versichern, dass ich mein Bestes gedenke zu tun”, sagte er trocken. Bislang habt ihr mir allerdings nicht viel Neues gesagt, was nicht auch von diversen Fraktionen innerhalb der akademischen Gemeinschaft diskutiert würde.” Herausfordernd blickte Professor Conrad in die Menge: “Keine Frage, die Antworten sind klug, aber von Menschen eures Schlages erwarte ich mehr.”

Als er jedoch ein vielsagendes Grinsen auf einigen Gesichtern wahrnahm, brachte sich sein mulmiges Gefühl wieder in Erinnerung. “Na schön”, sagte er sich, “Angriff ist die beste Verteidigung:”

“Würdest du bitte die Freundlichkeit haben, deine Erheiterung mit uns zu teilen”, sprach er einen rothaarigen Jungen mit blau leuchtenden Augen an.

Anstatt mit der üblichen Betroffenheit, mit der andere Schüler auf solche Konfrontationen zu reagieren pflegten, verstärkte sich das Grinsen des Schülers und bereitete sich über dessen ganzes Gesicht aus.

“Gerne Conrad, bitte, verzeihen Sie, Professor Conrad.

Dann wird Ihnen gewiss auch bekannt sein, dass das Grundlegende verstehen von sogenannten “höheren Informationen” – was diese eigentlich gar nicht sind –  im Grunde durch ganze andere Ebenen unterstützt wird, welche uns umfassender zu informieren in der Lage sind als unser 3 D Mind. Es wird die Zeit kommen, wo diese angeblich “höheren Informationen” als etwas völlig normales angesehen werden. Uns Schülern ist durchaus bekannt, dass einige von Ihnen uns für eine Horde Ungeheuer halten, und sie haben Angst vor uns. Meist sind wir uns selbst überlassen, was einer glatten Bankrotterklärung des gesamten Lehrkörpers gleichkommt.

Aber glauben sie mir bitte, wir sind nichts besonderes, wir sind nur die Ersten einer kommenden, ganzen Generation von Menschen, welche die Evolution der Menschheit auf diese Weise präsentiert.  Das Leben auf der Erde wird sich grundlegend verändern – aber es wird unmerklich geschehen, langsam.

Auch Ihnen selbst sind Begriffe wie Intuition, Gefühle, Impulse, inneres Wissen geläufig – okay, einige unter uns sind auch hellsehend, hellfühlend, hellhörend. Man kann es nicht wirklich beschreiben, aber man “weiß einfach”. Man spürt die Dinge eher, kann sie aber nicht in ein lineares Schema festzurren. Die “innere Einsicht” arbeitet auf einer subtilen, einer oftmals schnell verblassenden Ebene und Grundlage. All dies ist bekannt, aber kein Mensch scheint auf die Idee zu kommen, dass das bereits “gechannelte Informationen” sind. Jedermann der Impulse bekommt, oder seiner Intuition folgt channelt, er weiß es nur nicht. Man kanalisiert Informationen, die meist von seinem sogenannten “Höheren Selbst” kommen. Jeder hat das, und es spricht fortwährend zu uns – man muss nur zuhören lernen.

Und nun Professor, will ich auf ihre vorherige Fragestellung zurückkommen:

Natürlich, allerdings bekommt der “normale Verstand” angesichts solcher Eingebungen und Wahrnehmungen, mindestens 520 “innere Vorbeimärsche” und wird anstrengende “Diskussionen” führen, warum DAS jetzt nicht so sein kann. Ganz sicher nicht – wird er sagen!  Er zieht dabei alle Register linearer Denkweisen wessen er nur fähig ist,  und je höher entwickelt ein Intellekt, desto mehr wird man davon geplagt. Alles soll sein genau definiertes Kästchen haben, eine Nummer, einen Namen – was auch immer.

Aber Wahrnehmungen und ihre Verarbeitung kann nun mal nicht voneinander getrennt werden. Nun ja, letztlich denken wir ja NICHT mit dem Gehirn, weil es nicht denken kann, sondern vielmehr eine Art Empfangs- und Sendestation für diverse ankommende Impulse ist und diese weiterleitet. Der feinstoffliche, nicht neurologisch zu erfassende Mentalkörper ist die “Adresse” für Denkimpulse. Eine mehr oder weniger limitierte Form von Verstand, dessen Begrenztheit einem erst dann zu Bewusstsein kommt, wenn er verglichen wird mit emotionaler Intelligenz und Sensibilität, mit erhöhter Wahrnehmung. Es ..”

“STOP! Warte bitte mal kurz, was sagtest du da grade? Wir denken NICHT mit dem Gehirn?”

“Aber ja, wie sollte es auch? Es scheint bloß eine Masse von organischer Materie zu sein, es denkt ebenso wenig wie unsere Beine denken könnten. In dem, was unser Gehirn genannt wird, befinden sich Schaltkreise mit neuronalen Verknüpfungen, sie verbinden gewisse Abläufe des Denkens und Fühlens mit dem physischen Körper. Aber das Denken ist ein geistiger Vorgang, der nicht einfach auf synaptische Schaltungen reduziert werden kann – und nur weil Neurowissenschaftler “blinkende Lichter”, in diversen untersuchten Kopfregionen sehen, bedeutet es keineswegs, dass das Denken ursprünglich damit verbunden ist.

Weil dann würden die Gehirne von Polizisten und genialen Musikern gleich aussehen – aber das tun sie halt nicht. Sie besitzen völlig unterschiedliche, neuronale Schaltkreise und synaptische Verknüpfungen.

Es ist der Mensch und das geistige Wesen, das den physischen Körper trägt, welches denkt. Die Qualität des Denkens hängt vom persönlichen Zustand der Person ab, in welcher Bewusstseinsverfassung sie ist. Bestimmt fiel ihnen schon auf, dass sie anders denken, wenn sie irritiert sind, wenn sie sich nicht gut fühlen, oder krank sind, richtig Professor?”

Nachdenklich nickend, bestätigte dieser die Aussage. Dies ließ sich tatsächlich schwer von der Hand weisen.

“Sprich weiter, das klingt sehr interessant”, sagte Professor Conrad.

“Nur weil einige von uns seit ihrer Geburt über mehr Wissen und Verständnis verfügen, bedeutet dies nicht, wir müssten keine Tätigkeiten wie alle anderen auch verrichten. Wir müssen aufräumen, unseren Eltern bei verschiedenen, eher ungeliebten und anstrengenden Dingen helfen, und wir tun uns auch schwer mit den verschiedensten Gesellschaftlichen Anforderungen. Es ist hier so vieles begrenzt, so unglaublich dicht, dass kann einen manchmal schon runterziehen.

Niemand ist über Zweifel einfach erhaben. Und dann sind wir auch nicht mehr so die klügsten, werden weinerlich, oder jammern wegen Kleinigkeiten. Der menschliche Alltag, wie ihn die Mehrheit der Leute erleben muss, kann zermürbend sein. In diesem Bewusstsein ist ein “höheres Denken” kaum möglich.

Das Denken ist immer auch eine Form des Dialogs, wir haben Fragen und geben uns selbst eine Antwort – wohin gehen denn unsere Fragen? Wir nehmen Bezug zu Anteilen aus unserem Inneren, die Struktur dessen was Mensch genannt wird, ist um vieles reichhaltiger als allgemein angenommen wird. Verbinden sie sich mit dem Reservoir in ihrem Inneren, Professor. Dem Denken sind Grenzen gesetzt, die mit den inneren weiseren Aspekten überwunden werden.

Aber so wichtig das denken auch sein mag, unsere Gefühle sind es ebenfalls. Würden die Menschen ihre Gefühle Ernst nehmen, sie aussprechen und nicht unterdrücken, wäre das gesellschaftliche Bewusstsein auf sehr viel höherer Ebene  angesiedelt.

Von Mitschülern der anderen Klassen bekommen wir Neidgefühle serviert, weil sie auch so sein möchten wie wir, weil sie glauben, dass deren Eltern sie vielleicht mehr lieben würden – wenn sie etwas “besonderes” wären. Sie wissen es nicht, aber sie sind bereits etwas Besonderes… wir alle sind es. Jeder ist einzigartig, keine menschliche Erfahrung gleicht einer anderen, sondern ist absolut persönlich.

Viele könnten im Grunde so sein wie wir, wenn sie “innere Aufräumarbeit” machen würden. DAS würde so einiges von dem frei schalten, was in den Menschen schläft. Wenn sie bereit wären, ihre emotionalen Blockaden zu lokalisieren und zu konfrontieren, denn darunter liegt vieles begraben… “

Das Läuten signalisierte das Ende der Unterrichtsstunde – worauf Professor Conrad den Schülern dankte und um eine baldige Fortsetzung dieses Unterrichts bat. Und dann rauschten sie an ihm vorbei, wie alle Kinder in den Schulen der ganzen Welt es taten. “Sie sind Teenager…” schmunzelte er in sich hinein. “Gott sei Dank ..”

Quellennachweise:

http://stevenblack.wordpress.com/2013/08/04/die-geburt-des-ego-und-seiner-limitierungen

© Steven Black

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