ISON: Meteoriteneinschlag oder Sternenregen in der Neujahrsnacht ?

am 05.12.2013 auf sonnen-sturm.info

Der Komet ISON scheint etwas besonderes zu sein, denn er zieht nicht nur die Aufmerksamkeit sämtlicher Medien auf sich, sondern sorgt bereits für erste Verschwörungstheorien. 

Zeitraffer Aufnahme vom Periheldurchgang des Kometen ISON (C/2012 S1) (Bild: NASA)

Zeitraffer Aufnahme vom Periheldurchgang des Kometen ISON (C/2012 S1) (Bild: NASA)

Es bestanden Zweifel, ob ISON letzte Woche den sonnennächsten Punkt überlebt hat oder nicht. Mittlerweile ist jedoch klar: ISON war einmal ein Komet, denn jetzt ist nur noch eine Staubwolke vom Kern übrig, die schnell schwächer wird und leider nicht mit freiem Auge sichtbar ist. Aus physikalischer Sicht ist ISON tot; der Komet existiert nicht mehr. Die Wissenschaftler erhoffen sich jedoch durch die Beobachtung der noch vorhandenen Reste von ISON , das Rätsel um die letzten Tage des Kometen zu lösen. Insbesondere hoffen Astronomen darauf, den Kometen Ende Dezember auch mit dem Weltraumteleskop Hubble beobachten zu können. Dann werden sich seine Überreste weit genug von der Sonne entfernt haben. Das Weltraumteleskop kann nämlich keine Objekte anvisieren, die sich zu nahe an der Sonne befinden.

Trotzdem scheint es Menschen zu geben die überzeugt sind ISON stellt eine Gefahr für die Erde da. Bruchstücke sollen die berechnete Bahn des Kometen verlassen haben und in der Neujahrsnacht auf der Erde einschlagen.

Auch wenn ISON nur noch Staub ist so scheinen die furchteinflößenden Nachrichten nicht abzureißen. So schreibt die staatliche russische Nachrichtenagentur “Ria Novosti” “Meteoriteneinschlag statt Sternenregen? Russische Forscher: Komet ISON bringt Überraschung” . So ließt man dort u.a.

„Es könnte ernst werden“

„Die Erdbewohner erwartet eine Überraschung in der Neujahrsnacht“, so die Sternenforscher, die den Kometen mit der russischen Märchengestalt Snegurotschka (dt.: „Schneeflöckchen“), der treuen Begleiterin von Väterchen Frost, vergleichen. Von „Snegurotschka“ sei dabei entweder ein freundliches „Abschiedslächeln“ in Form einer Sternschnuppen-Nacht zu erwarten – oder aber ein möglicherweise folgenschwerer Meteoriten-Crash.

„Zu Silvester, aber auch von 2. bis 4. Januar 2014 ist eine erhöhte Meteoriten-Aktivität zu erwarten. Dies kann sich als helles Aufflackern winziger Meteore am Himmel äußern, wenn diese in der Erdatmosphäre verglühen. Aber auch bedrohlichere Erscheinungsformen wie etwa ein Meteoritenregen sind nicht ausgeschlossen“, ist der Vertreter der russischen Sternwarte überzeugt.”

Sergey Smirnow, der Pressesekretär der Pulkovo-Sternwarte in St. Petersburg, der in dem Artikel zitiert wird, wurde auf den Artikel der Ria Novosti hingewiesen. Spannendes stellte sich anschießend heraus: Er meinte, er hätte nur gesagt, dass der Komet sich mit einem “Abschiedslächeln” und einer Überraschung in Form ein paar Sternschnuppen verabschieden könnte. Smirnow entschuldigte sich für seinen Fehler und teilte mit, dass keine Gefahr von ISON ausgehe.

Was da zwischen den Astronomen der Pulkovo-Sternwarte, ihrem Pressesprecher , der russischen Version der Nachrichten und ihrer deutschen Übersetzung alles passiert ist, wissen wir nicht . Aber eines ist klar: ISON stellt keine Gefahr mehr für die Erde dar, weil ISON nur noch eine dünne Staubwolke darstellt.

Die Reste bzw die angeblichen Bruchstücke befinden sich noch immer auf der gleichen Bahn , die der Komet ursprünglich auch nehmen sollte. Was an der Nachricht jedoch zumindest teilweise stimmt, ist die Tatsache, dass das eine oder andere Staubkorn aus ISONs Überresten den Weg bis zur Erde finden könnte Aber das ist völlig ungefährlich! . Möglicherweise sehen wir im Januar tatsächlich noch die eine oder andere Sternschnuppe. Das wird uns aber kaum auffallen, denn genau zu dieser Zeit findet sowieso der alljährliche Quadrantiden-Meteorschauer statt.

Das die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti keine Hemmungen hat Falschmeldungen zu verbreiten zeigt der vorletzte Absatz im Artikel über ISON:

“Ein für Mystiker, Astrologen und Eschatologen nicht uninteressanter Umstand: Die Erde muss die von ISON hinterlassene Kometenwolke voraussichtlich am 4. Januar 2014 durchwandern – zeitgleich mit einer Planetenparade: Merkur, Venus, Erde, Jupiter und Pluto befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Linie mit der Sonne”

Fakt ist, dass die Erde die “Kometenwolke” eben NICHT durchwandern wird, es wird auch keine “Planetenparade” geben (was man leicht mit selbst überprüfen kann, zum Beispiel mit dem Programm “Stellarium”).