Brief an alle, die sich durch Veganer beleidigt fühlen

am 05.02.2014 von Marsili Cronberg auf seiner Homepage

marsili-cronbergdeEs tut mir leid.

Es tut mir leid, wenn ich in meinen Texten den Eindruck erweckt haben sollte, euch beleidigen zu wollen. Es tut mir leid, wenn ihr von mir denkt, daß ich mich über euch stellen wollte. Es tut mir leid, wenn euch mein Sarkasmus getroffen hat.

Nur weil ihr noch Tiere esst und ich nicht mehr.

Der Eindruck ist falsch und das tut mir leid.

Ich bin ein normaler Mensch wie auch ihr es seid und nur die Art der Ernährung macht mich nicht zu etwas anderem.

Ich lache genauso wie ihr. Ich ärgere mich über die gleichen Dinge wie ihr. Ich mache ähnliche Fehler wie ihr, habe bestimmt genauso viele Laster. Ich bin nicht besser. Nur das Essen ist anders. Mehr nicht. Niemand hat das Recht, sich als etwas besseres zu fühlen, nur weil er anders isst.

Dennoch fühlen sich viele angegriffen von den Veganern.

Es wird Zeit, etwas klarzustellen:

Es geht nicht darum, ging niemals darum, euch anzugreifen. Es ging einzig darum, euch davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, die Augen zu öffnen. Genau wie wir es getan haben vor euch. Tage zuvor, Wochen zuvor, Monate und bei einigen liegt es Jahre zurück, das Erkennen.

Nennt es Missionieren. Ja, vielleicht ist es das auch. Aber wenn ihr es so nennt, dann fragt euch bitte auch, warum auf einmal sogar Menschen damit anfangen, die sich zuvor selbst über die Missionierer aufgeregt haben.

Oft ist es ungeschickt. Oft ist es übermotiviert. Und es trifft euch, ihr fühlt euch beleidigt. Aber das ist garnicht die Absicht.

Das Ziel seid nicht ihr.

Ziel ist die in den letzten Jahren aus unserem Profitsystem hervorgegangene Entartung des Landwirtschaftssystems und die ungeheuren Schäden, die es verursacht. Die Schäden für die Natur. Die Schäden für die Menschen. Und auch die Schäden für die Bauern, die in einer irrwitzigen Spirale gefangen sind und nur befreit werden können, wenn die Nachfrage nach Alternativen wächst.

Und das können wir nur ändern MIT euch zusammen. Das können wir nur, wenn ihr die Produkte nicht mehr kauft, die das System immer weiter wachsen lassen.

Vielleicht versteht ihr

Wenn ihr einmal auf Satellitenbildern im Internet die unfassbaren Wunden in den Regenwäldern gesehen habt und die Berichte über die Vertreibung der Einheimischen durch westliche Riesenkonzerne für den Anbau von Tierfutter, das dann in riesigen Schiffen über den Ozean nach Europa geschifft wird und letztendlich auf euren Tellern landet, dann versteht ihr uns vielleicht. 1

Wenn ihr einmal die erschreckenden Ausmaße des in der Ostsee ausgebreiteten und alles unter sich abtötenden Algenteppichs gesehen habt, der durch den Phosphor und den Stickstoff der Flüsse wächst, das von den unfassbaren Ausmaßen der Gülleentsorgung unserer Tierhaltung stammt, dann versteht ihr uns vielleicht. ²

Wenn ihr einmal nur Bilder von den Tieren gesehen habt, deren Teile später im Supermarkt liegen, ihre Augen, eine Kuh im Schlachthaus, ein getötetes Kalb, dann versteht ihr uns vielleicht.³

Wenn ihr einmal die traurigen Bilder eines verhungerten Kindes mit dem Sogs unserer Überflusslandwirtschaft zusammengebracht habt, welcher die Grundnahrungsmittel auf dem Weltmarkt in sich aufsaugt und wisst: Viele Millionen Menschen werden auch in diesem Jahr einen qualvollen Tod sterben und ein großer Teil davon wird deshalb sterben, weil wir sie verhungern lassen …

Dann versteht ihr uns vielleicht.4

Und wenn ihr einmal einen wirklich ernsthaften Blick wagt auf die Fülle der veganen Ernährung, wie ungeheuer reichhaltig, deftig und lecker sie sein kann, wie ungeheuer weit wir gekommen sind.5

Dann versteht ihr uns vielleicht noch besser.

Wenn ihr verstehen würdet, wie einfach die Veränderung in unserer heutigen Zeit ist und wie wertvoll sie ist für jeden einzelnen selbst, dann versteht ihr vielleicht, warum so viele von sich sagen: „Vegan zu werden war die beste Entscheidung meines Lebens.

Ja, wir sagen es oft in eure Richtung. Ja, wenn wir von den Gründen erzählen, dann erzählen wir sie meist so, daß auch ihr ins Nachdenken kommen sollt. Ja, wir erzählen so oft davon, daß es nervt. Und ja, wir nehmen damit auch in Kauf, schief angesehen zu werden.

Weil wir sehen, wie wichtig es ist. Wichtiger als irgend ein anderes Thema, wichtiger als Wachstum und EURO-Rettung, wichtiger als Fußball und Olympia, wichtiger als Dschungelcamp und Heidi Klum, wichtiger als Autobahnmaut und was sonst noch für Themen die Schlagzeilen beherrschen.

Und ja, es tut weh, von euch zu hören: „Ich respektiere euch ja, aber lasst mich wie ich bin.

Es gibt kein „EUCH“.

 

Auf diesem wunderschönen Planeten gibt es nur ein „WIR“.

Veganer mögen selbst Schuld daran tragen, daß ihr euch ausgegrenzt fühlt. Veganer selbst erwecken oft den Anschein, sich selbst ausgrenzen zu wollen. Manchmal bringt das die Natur des in der Öffentlichkeit noch angebotenen Essens mit sich. Es ist einfach schwer, als Veganer bei einer Party eingeladen zu sein, bei der ihm nur das Nagen an einem trockenen Brötchen bleibt. Und ja, es fällt uns auch schwer, anderen beim Tiere essen zuzusehen. Und ja, es ist schwer zu ertragen, nicht ernst genommen zu werden im Angesicht der Sache, für die wir uns engagieren …

Aber ihr seid nicht das Ziel unserer Flüche.

Vielmehr seid ihr das Ziel unserer Bitten  für das Erkennen der Probleme, die ihr mit verursacht, indem ihr Tiere esst.

Ziel unserer Flüche ist einzig das entartete System, das euch im Glauben zu halten versucht, alles sei gut. Die, die wir beim Namen benennen, Polemisierer, problemleugnende Lobbyisten der Agrarindustrie, faktenignorierende Politiker, veganerhassende Ernährungsexperten und Journalisten sind nur als Stellvertreter des Systems unsere Ziele. Im Grunde sind sie aber genauso Opfer wie wir alle.

Und manchmal bleibt nur Sarkasmus ihnen gegenüber.

Manchmal fehlen verständnisvolle Worte und Blicke, wo sie vielleicht angebracht wären.

Dafür entschuldige ich mich.

Und ich hoffe, daß Du Verständnis hast.

Und nun weißt Du auch, daß wir mehr brauchen als Dein Verständnis für uns.

Wir brauchen Dein Mitdenken!

Wir brauchen DICH!

Nicht jetzt sofort. Nicht nach diesem Artikel. Und wir erwarten auch nicht, daß Du jemals zugibst, daß Du wegen uns aufgewacht bist.

Es reicht schon, wenn Du die Tür ein klein wenig öffnest und Dich ganz unvoreingenommen mit den realen Fakten zu befassen beginnst.

Und bleibe Dir treu dabei. Höre nur auf Dich.

Und was dann mit Dir geschieht, das lasse einfach geschehen.

marslicronberg

1 … Unser Abdruck im Regenwald

2 … Belastung der Ostsee durch Gülle

3 … earthlings

4 … Zusammenhang von Welthunger und Fleischfrage

5 … Seiten mit veganen Rezepten:

http://www.rezeptefuchs.de/
       http://veganerteller.blogspot.de/

http://www.selbst-wenn.de/rezepte

http://veganolution.com/

Bücher, die Umdenken lassen:

Karen Duve – Anständig Essen – Ein Selbstversuch

Marsili Cronberg (ja, das ist von mir …)- Wie ich verlernte, Tiere zu essen

Andreas Grabolle – Kein Fleisch macht glücklich

Jonatha Safran Foer – Tiere essen

Vegane Einstiegshilfen:

30-tage-veggie-schnupperkurs des VEBU

http://veganstart.de/

Arcadians Kommentar: Ich denke, man kann das auch auf das Thema Vegetarier ausweiten …. WEr den Schritt wagt, der geht meist erst mal den Schritt Richtung Vegetarier.  Dieser Text ist so aussagekräftig und kann auch auf anderer „Randthemen“ adaptiert werden…. wie spirituelles Sein …

Tolle Seite für vegane Küche: 

http://dieumsteiger.blogspot.de/


4 Gedanken zu “Brief an alle, die sich durch Veganer beleidigt fühlen

  1. Dieser Krieg der im Moment in Gange ist, nicht nur dass die Vegetarier und Veganer massiv angegriffen werden, es geschieht ja in allen Bereichen die ein wenig Licht in diese Dunkelheit gebracht haben. Es zeigt sehr deutlich wie sehr wir uns wirklich dem Bewusstseinswandel nähern.
    All das braucht es scheinbar um uns aus dieser Illusion zu befreien.
    Ich habe bemerkt, dass viele durch den Lichtkörperprozess nun Fleisch nicht mehr gut vertragen. Die meisten wissen nichts davon, aber dennoch begreifen sie unbewusst dass es ihnen nicht mehr gut geht damit. Das an sich ist schon erstaunlich genug, dazu noch die ganzen Aufklärungen, alles trägt dazu bei um uns zu helfen.
    Unsere wunderbaren Tierseelen, ich entschuldige mich oft bei ihnen für uns Menschen und bin ihnen zutiefst dankbar was sie hier auf sich nehmen. Mögen sie in einer neuen Welt frei und behütet ihr Leben leben dürfen.

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  2. Wollte sich ein Mensch in unserer Gesellschaft einer veganen Ernährungsweise nähern, dann wurde er sehr häufig von seiner Umgebung belächelt, dann für gestört befunden und am Ende sogar sehr oft angegriffen. All dies geschah aus verschieden Ängsten heraus.

    Um welche Ängste geht es hier im Vordergrund?

    Es ist eine Angst davor, dass die eigenen Glaubenssätze von einem Selbst, nicht abschließend reflektiert wurden. Zudem die Angst davor, dass man hinsichtlich seiner Erfahrungen keine ausreichenden Lehren gezogen hat. Zu guter letzt die Angst davor, dass ich mich dabei selbst erwische, an einem Massenmord bzw. einer Massenqual von Tieren beteiligt zu sein, ohne dass es dafür eine Lebensnotwendigkeit besteht.

    Mit diesen Ängsten sah ich mich jedenfalls konfrontiert, als ich meine Rückkehr ins Leben angestrebt hatte. Ich hatte Glück, dass es in meinem privaten Umfeld bis dahin keine Vegetarier oder Veganer gab. Mir hat man also von außen, hinsichtlich der Massenmorde, keine Vorwürfe gemacht. Diese machte ich mir für einige Zeit nur selbst.

    Dieser Weg war ein einsamer Weg. Heute sehe ich im Ergebnis eine Vorreiterrolle für meine halbe Familie. Zuerst hatte ich auf Partys, nichts zu beißen. Heute sieht die Welt auf Geburtstagen, Festen oder Einladungen ganz anders für mich aus.

    Das Wichtigste was ich hinsichtlich der Ernährung gelernt habe: Vegan ist nicht gleich gesund. Die meisten veganen Kochbücher enthalten kaum Rezepte für eine ausgewogene, vollwertige und damit gesunderhaltende Ernährung. Sich also einfach auf eine 30 Tage Challenge einlassen, kann bedeuten, dass dem Körper aufgrund der zum Beispiel sehr eiweißlastigen Zusammenstellungen, ein immenser Schaden entsteht. Welcher erwachsene Körper braucht schon 1g Eiweiß am Tag pro kg an Körpergewicht? Ich für meinen Teil, esse seit vielen Jahren zwischen 20g und 25g Eiweiß pro Tag. Aktuell hat sich dies *** instinktiv *** noch etwas reduziert.

    Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen zuerst dem Thema Tierschutz nähern und sich dann nachrrangig mit dem Thema vegan beschäftigen. Zudem würde ich mir wünschen, dass anstrebende Veganer sich den Druck nehmen, dass sie von jetzt auf gleich eine Änderung herbeiführen müssen. Die zu überwindenden Süchte hinsichtlich der Fleischbeigaben, der Kuhmilchbeigaben bzw. der Kuhmilchproduktebeigaben gleichen einer ausgeprägten Drogensucht. Diese Beigaben erfolgen in allen Fällen auch über die Ernährung der Tiere. Futtermittel sind in unserem Land oft stark mit Glutamaten, Zuckeralkohlen und weiteren Wachstumsmixturen versetzt.

    Jedoch gilt es auch, an dieser Stelle, den größten aller Glaubenssätze zu besiegen:

    „Totes verbranntes Fleisch gibt Lebenskraft“. Mir gelang dies nur langsam.

    Auch die Idee, dass mein Körper einen Vitamin B12 Zusatz benötigt, hat mich länger beschäftigt. Doch auch hier hatte ich Glück. Je mehr mein Bewußtsein wuchs, umso mehr verstand ich auch die Tricks der Ernährungsindustrie, um mich von meinen besonderen Fähigkeiten als Mensch wegzubringen. Welche veganen Tiere brauchen schon ein Ersatzprodukt aus dem Supermarkt?

    Ein Freund von mir ist aktiv im Tierschutz tätig. Durch die schwierige Überwindung der oben genannten Süchte, landete er hinsichtlich einer veganen Ernährungsweise in einer Falle. Er hatte es auf Dauer nicht zur Gänze geschafft.
    Die quälenden Gedanken eines Tierschützers, der doch ab und zu Käse essen musste, hatten ihn seit Monaten umgetrieben. Er traute sich auch nicht, offen darüber zu sprechen und wurde dabei immer mehr krank. Jetzt kam das Familienaußen und sagte: Iß doch endlich wieder Fleisch Junge. „Du siehst doch wohin dich dieser Irr-Sinn führt. “

    Einer sich mir öffenden Freundin konnte ich – genau wie mir selbst – den Entzug deutlich erleichtern. Bisher kenne ich nur zwei weitere Menschen, die den Umstieg – Sucht besiegt – geschafft haben.

    Mit Veganern sollte sich niemand anlegen müssen. Einfach ehrlich zu sich selbst sein und dann sein eigenes Feld bestellen.

    Von dem Artikel bin ich tief beeindruckt. Sollten doch Menschen dazu bewogen werden, dass sie sich über unsere Mitgeschwister mehr Gedanken machen sollen. Wir sollten alle Hand in Hand versuchen, dass sich unsere Welt, hinsichtlich der Dogmen, welche zu unserer Krebsgeneration führte, endlich auflöst.

    Ich habe gelernt, dass ich allen Menschen die herzerfüllte Hand reichen kann, auch wenn sie gestern noch sehr spöttisch auf meinem Kochtopf „getanzt“ haben, wenn sie heute plötzlich hilflos geworden, meine Wege kreuzen.

    Alle Liebe für die Tiere, welche sich bereit erklärt haben, dass sie dieses Leid ertragen, um uns an unsere Menschlichkeit zu erinnern.

    Bejkh

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    1. Lieber Bejkh,

      danke für diesen Kommentar. Ich bin fast Vegetarier und fast vegan. Fast sage ich, weil ich immer mal wieder der Sucht erliege. Und ich habe gelernt, das entspannt zu nehmen, denn damals, als ich rohköstlich-vegan gelebt habe (6 Monate) war ich unentspannt und bin wieder zur Ernährung mit Fleisch zurück.. viel war es nicht, aber es war da. Seit letztem Sommer bin ich wieder auf dem Weg. Und es funktioniert gut… diese Rückfälle sind sehr selten… nur bei Fisch bin ich ab und zu „zu schwach“ … das wird aber schon. Das verkrampfen wegen der Ernährung ist immer undienlich, weil man sich zwingen muss, es muss wachsen und wirklich gewollt werden, aus innerer Überzeugung, nicht weil man meint, er wäre gut, oder weil jemand sagt, es wäre gut… Über den Tierschutz zu gehen, entspannt zu sein dabei ist ein guter Weg.

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  3. hallo. eine tatsache wird in der literatur zur ernährung ohne fleisch nicht erwähnt:
    nachdem jemand ca. drei monate (schätzungsweise) kein schweine- oder rindfleisch gegessen hat, kann er/sie nur schwer wieder damit anfangen.
    jegliches probieren in der richtung wird vom körper leicht mit übelkeit oder bauchschmerzen oder beidem quittiert.
    wie das wohl kommt…
    wer dann unbedingt fleisch essen will, kann höchstens noch fisch vertragen.

    http://armin-risi.ch/Buecher/Vegetarisch_leben.html#3

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