Wer sich in eine Schublade stecken lässt läuft Gefahr, ein Brett vor dem Kopf zu haben

am 21.04.2014 auf Politropolis

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Montags-Mahnwache für den Frieden in Berlin. Am Ostermontag 21.04.2014 ca. 7.000 Teilnehmer – Foto: © politropolis.de / H.Langer

Die Montags-Mahnwachen für den Frieden werden wie alles, was in Deutschland eine wahrnehmbare Bedeutung erlangt, kritisch beäugt. Die Spannweite bei den kritischen Tönen erstreckt sich allerdings von verzerrter Darstellung von Aussagen, bis zu gezielten Diffamierungen von Teilnehmern und Veranstaltern der Mahnwachen, die mittlerweile in vielen Städten Deutschlands zu einer festen Einrichtung geworden sind. Wir sprachen mit Heidi Langer, einer Aktivistin der ersten Stunde, und lassen Lars Mährholz zu Wort kommen, einer der Initiatoren der Mahnwachen für den Frieden.

Frau Langer, wie werten Sie die Behauptung, die Mahnwachen für den Frieden seien von rechten Kreisen unterwandert?

Heidi Langer: Was ist los in unserem Land, dass es niemanden mehr interessiert, WER wir sind, sondern nur noch WAS? Sind wir links oder rechts? Sind wir konservativ oder liberal? Sind wir reich oder arm? Sind wir gebürtige Deutsche oder haben wir einen Migrationshintergrund? Sind wir Ossis oder Wessis, Saarländer oder Sachsen? Was soll das?  Muss es tatsächlich für jeden Menschen ein Gegenstück geben? Ein Feindbild, von dem man sich distanzieren muss? Die Frage ist: Wem nützt es, wenn Ressentiments und von außen hinein getragen werden?

 

In den letzten Tagen tauchen im Internet immer wieder Warnungen bezüglich angeblich rechtspopulistischer Hintergründe und Inhalte bei den Mahnwachen  auf, die inzwischen jeden Montag bundesweit stattfinden. Wie stehen Sie dazu?

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“Wir sind keine Marionetten, wir sind Jemand” – Foto: © politropolis.de

Heidi Langer: Nun, ist es eine bekannte Taktik, Bewegungen zu diffamieren und entweder in die rechte oder linke Ecke zu stellen, wenn man sie auf andere Weise nicht stoppen oder kontrollieren kann. Das hat gewissermaßen schon Tradition. Mit missliebigen Einzelpersonen wird ähnlich verfahren. Entweder sind sie verkappte Radikale, haben terroristische Verbindungen oder schwere psychische Probleme. Traurig, aber wahr!
Menschen, die gemeinsam für ein Ziel eintreten, sind stark. Und Stärke ist gefährlich, also versucht man, sie von vorn herein wieder zu entzweien. Die rechtspopulistische Keule hat Spaltpotenzial und hat sich in der Vergangenheit stets als sehr effektiv erwiesen, also wird sie auch dieses Mal geschwungen. Warum nicht auf bewährte Methoden zurückgreifen?

Die Gegner der Mahnwachen für den Frieden argumentieren, dass die Ziele, die in ihnen vertreten werden, zu allgemein seien. Sehen Sie das als einen Teil dieser Strategie?

Heidi Langer: Wie, bitte sehr, kann „FRIEDEN in Europa, in der Welt“ zu allgemein sein? Frieden ist unser Hauptanliegen und der wichtigste aller Punkte, den wir anmahnen. Was ist an diesem Wort nicht zu verstehen? Wie explizit hätten sie den Begriff denn gern ausgeführt? Und, ganz ehrlich, wie verdreht muss man sein, wenn man den Grundgedanken, der dahinter steht, nicht zu erfassen vermag?

Die zweite Forderung der Mahnwachen-Initiative ist die nach einer freien, ehrlichen Presse. Was genau wollen Sie erreichen?

Heidi Langer: Die Bürger sollen informiert, statt manipuliert werden. Journalistische Grundsätze und der Rundfunktstaatsvertrag werden mit Füßen getreten.  Aber das ist den Verfassern der Schmähartikel, die man im Internet findet angeblich ebenfalls zu schwammig.

Also ehrlich, auch diese Forderung dürfte für jeden leicht nachvollziehbar sein, besonders angesichts der Berichte in den Mainstream-Medien, die man in letzter Zeit serviert bekommt. Der Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet die öffentlich-rechtlichen Sender zu unparteiischer Berichterstattung. Davon sind sie allerdings meilenweit entfernt. Man verkauft uns (und den Begriff „verkauft“ habe ich angesichts des Beitragsservices bewusst gewählt) z.B. einen gewaltsamen Putsch in der Ukraine als revolutionären Umsturz und eine nicht gewählte teilfaschistische Regierung als legitim, verteilt Rollen und Prädikate wie “Gut und Böse” so wie es Regierungspropaganda tun würde, nicht wie es Freie Medien tun sollten… Ich könnte noch viel mehr dazu ausführen.

Meinungsmanipulation ist ein Thema, das nicht nur mich erzürnt und ich will an dieser Stelle festhalten, dass immer mehr Menschen diese Maschen durchschauen.

Ein Thema, das der “FED” scheint wohl der größte Aufreger der Kritiker zu sein. Man unterstellt rechtes Gedankegut und Antisemitismus. Wie sehen Sie das?

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Lars Mährholz, Initiator der Friedensdemos – Foto: © politropolis.de / Lars Mährholz

Lars Mährholz: Es geht in unserer Kritik nicht um die Bank an sich, denn die tut eigentlich nur dass, was Banken nun einmal tun. Sie verleiht Geld gegen Zinsen. Uns geht es um den Federal Reserve Act. Dieses Gesetz wurde in den USA 1913 erlassen. Es legte die Macht über den US-Dollar in die Hände eines Privatbankiers und hatte die Gründung der Federal Reserve Bank zur Folge. Wenn also die USA mehr Geld brauchen dann müssen sie, dank dieses obskuren Gesetzes, dieses Geld von der FED in Form eines Kredits samt Zinsen leihen.
Da die Stabilität des Dollars stark davon abhängig ist, dass weltweit das Erdöl gegen diese Währung gehandelt wird, wurde diese Praxis bereits mehrfach militärisch durchgesetzt. Siehe z.B. Irak und Libyen. Und wenn sich die USA der in ihrer Verfassung festgeschriebenen Schuldenobergrenze nähern, muss ein Ausweg her. Für genau diesen Ausweg hat die Verfassung der Vereinigten Staaten mit Artikel 1, Abschnitt 8 ein Hintertürchen offen gelassen: >>Der Kongress hat das Recht: Steuern, Zölle, Abgaben und Akzisen aufzuerlegen und einzuziehen, um für die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen, für die Landesverteidigung und das allgemeine Wohl der Vereinigten Staaten zu sorgen; alle Zölle, Abgaben und Akzisen sind aber für das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten einheitlich festzusetzen; auf Rechnung der Vereinigten Staaten Kredit aufzunehmen;…<<
Das bedeutet nichts anderes, als dass die USA im Kriegsfall Schulden in unbegrenzter Höhe aufnehmen darf. Und bei wem? Der FED natürlich.
Selbstverständlich mit Zinsen. Um es ganz klar zu sagen: Es interessiert mich nicht, wem die Bank gehört oder wer im Vorstand sitzt. Auch ist es völlig ohne Belang, welcher Nationalität oder Religion diese Menschen angehören. Ich bin weder Antisemit noch Holocaustleugner. Im Gegenteil, ich halte Letzteres für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Alles, was ich sagen will, ist folgendes: Diese Menschen verdienen am Krieg und am Tod von anderen Menschen. Und darauf machen wir aufmerksam.

Diese kontroverse Haltung, die viele bei den Mahnwachen der Federal Reserve gegenüber einnehmen, soll laut deren Kritikern der Beweis dafür sein, dass die Veranstaltungen von Antisemiten und Holocaust-Verleugnern unterwandert seien. Und weiter wird argumentiert: Wenn man die Ansicht verträte, dass die Finanzpolitik der FED Kriege produziere, dann sicher nur deshalb, um sich der Verantwortung für die im Zweiten Weltkrieg begangenen Gräueltaten zu entziehen.

Heidi Langer:  Wow. Da bleibt einem glatt die Luft weg, nicht wahr? Statt mit belegbaren Fakten und nachvollziehbaren Argumenten zu kontern, wird hier der Streitpunkt rasch und effektiv in polemischen Nebel gehüllt, und man geht zur Offensive auf die Kritiker über, getreu dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Das Ziel ist dabei, die Veranstalter und Teilnehmer der Mahnwachen für den Frieden in eine Position zu drängen, in der sie ihre Glaubwürdigkeit einbüßen. Der Eindruck liegt nahe, dass die FED und ihre Geschäftspolitik so rasch und effizient aus der Schusslinie genommen werden soll.

Welche Interessen vermuten Sie dahinter?

Heidi Langer: Gerade wir als Deutsche haben eine besonders große Verantwortung der Geschichte unseres Landes gegenüber. Diese Verantwortung ist sogar in unserem Grundgesetz festgeschrieben und später 1990 im 2+4-Vertrag, der heute völkerrechtlich als Grundlage der Souveränität Deutschlands gilt, dass nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgehen darf. Aber damit allein können wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden. Diese vertraglich festgelegten Friedensverpflichtungen sollen ausgehebelt werden. Sind wir nicht gerade wegen unseren Erfahrungen und unserer  Vergangenheit verpflichtet, Kriege allgemein und die Leichtfertigkeit, mit der unsere Politiker heute in Widerspruch zu alledem zu Militärschlägen greifen wollen, zu verurteilen und dies zu verhindern? Dürfen wir uns von solch einer propagandistischen Schundpolemik davon abhalten lassen, uns unserer Verantwortung zu stellen? Dazu sage ich NEIN!

Mittlerweile gibt es auch bei Teilen der Kritiker durchaus die Einstellung, die Mahnwachen zu untersützten. Einer schreibt beispielsweise anonym zum Thema: “Müssten wir nicht gerade deshalb, weil es kaum andere sinnvolle Möglichkeiten gibt, tatsächlich dahin gehen und dort klar Position gegen kapitalistische Auswirkungen beziehen und in dieser Folge eine vehemente analytische Kritik der Kriegslogik darlegen? “ Was würden Sie ihm antworten?

Heidi Langer: Das ist es ja gerade, was wir möchten. Unabhängig von politischer Überzeugung und Gesinnung, die Menschen bei Mahnung und Protest mitnehmen, sie dabei zu echtem Dialog und Austausch von Argumenten zusammenbringen. Wir alle leben mit der ständig wachsenden Bedrohung eines neuen Weltkrieges. Wir alle haben Familien, Eltern, Geschwister, Kinder. Wir alle haben Freunde und Bekannte, nicht nur in unserem eigenen Land, sondern überall auf der Welt. Das macht uns aber nicht nur zu Menschen, die etwas zu verlieren haben, das macht uns auch zu einer nicht zu unterschätzenden Kraft im nationalen und im internationalen Geschehen. Das macht uns zu einer Bedrohung für jene, für die Kriege nichts anderes bedeuten als klingelnde Kassen, Ressourcengewinne und Macht.

Wie ich es sehe, versucht man, uns deshalb zu diskreditieren; deshalb versucht man, uns zu entzweien und gegeneinander aufzuhetzen; deshalb versucht man, uns fein säuberlich in eine Schublade zu stecken, diese mit einem Etikett zu versehen und bei den Insassen anderer Schubladen gegen uns Stimmung zu machen.

Wie wollen Sie sich dieser Stimmungsmache widersetzen?

Heidi Langer: Wir alle wollen Frieden. Wir alle wollen nicht belogen, manipuliert und gegen andere aufgehetzt werden. Wir alle wollen nicht töten oder getötet werden, um einigen wenigen die Taschen zu füllen. Konzentrieren wir uns darauf, was uns gemeinsam ist. Wir sind nicht irgendWAS, wir sind JEMAND. Wir sind Menschen, keine etikettierten Marionetten. Verhalten wir uns auch so! Wer sich in eine Schublade stecken lässt, darf sich nicht wundern, wenn er ein Brett vor dem Kopf hat. Jeder trägt dafür ein Stück eigener Verantwortung. Entziehen wir uns der Manipulation, dann verlieren andere Macht über uns.

Vielen Dank für das Gespräch!


2 Gedanken zu “Wer sich in eine Schublade stecken lässt läuft Gefahr, ein Brett vor dem Kopf zu haben

  1. Fed-Kritik oder Kritik an der Bankelite Rothschild, Wagner + Co. ist nicht antisemitisch und somit auch nicht Rechts, denn diese Herrschaften sind zu 75% Christen und schon lange nicht mehr Juden oder Israelis.

    Mit Bildungslücken zeichnen sich besonders in diesen Tagen einige rot-schwarz-grüne Politiker/innen aus, die mit Falschinformationen und Lügen einen virtuellen und medialen Krieg gegen Montagsdemonstranten begonnen haben.

    Wer einen Krieg beginnt, ist niemals im Recht und absolut unglaubwürdig.

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